Zurzacher Leichtathleten an den Schweizermeisterschaften mit einem Kantonalrekord, einer Bronze-Medaille und einem verhängnisvollen Fehlstart!

Bad Zurzach (ax) – Sieben Athletinnen und zwei Athleten hatten sich für die Schweizermeisterschaften vom vergangenen Sonntag qualifiziert und sie erreichten sechs persönliche Bestleistungen.


Schweizermeisterschaften in der Halle sind attraktiv. Alles ist auf engstem Raum und die Stimmung einmalig. Die Gross-Sporthalle „Ende der Welt“ in Magglingen ist das Mekka der Leichtathleten für Indoor-Wettkämpfe in der Schweiz. Und immer noch steht die über 35 Jahre alte, aber schnelle Holzrundbahn. Diese wird im Winter alljährlich während drei Monaten eingebaut für das Training und für vier Indoor-Wettkämpfe. Von diesem Angebot wird rege Gebrauch gemacht. Und das Interesse an Hallenwettkämpfen hat in der Schweiz stark zugenommen. Insgesamt hatten sich im Nachwuchsbereich 523 Athletinnen und Athleten für 785 Disziplinenstarts angemeldet. Für die Teilnahme galt es recht hohe Meisterschaftslimiten zu erfüllen.  In den letzten Wochen hatten die Zurzacher Leichtathleten an Testwettkämpfen in St. Gallen und Magglingen aufgezeigt, dass doch mehrere von ihnen zu Anwärterinnen und Anwärtern auf Spitzenplätze angesehen werden durften. Immerhin stehen die Teilnehmenden schon seit mehreren Jahren im anspruchsvollen Trainingsprozess mit bis zu fünf Trainingseinheiten pro Woche. Bei Tessa Morshuis, Leonie Neff, Svenja Moll und den Zwillingen Mike und Joel Erne durfte man Finalplätze, ja gar Medaillenplätze erwarten. Immerhin war die gesamte Elite der Schweiz anwesend. Das Erreichen des Finals musste also hart erkämpft werden. Es galt Vorläufe und Halbfinals zu überstehen. In den technischen Disziplinen kamen nach dem Vorkampf auch nur die acht Besten in den Final.


Drei Starts in den Hürden und gleich drei Bestleistungen

Die Vorstellungen von Tessa Morshuis, Leonie Neff und Dina Holenstein waren klar: Schon im Halbfinal war ein aggressives Angehen und ein knappes Überlaufen der Hindernisse angesagt. Mit dem Nachziehbein müsste man einen auf die Querlatte gelegten Bleistift runterschieben können. Schnelles Bodenfassen mit blitzartigem Abstossen von der Hürde weg hin zum nächsten Hindernis im Dreischritt-Rhythmus wird vor dem Start mental immer wieder durchgegangen. Locker bleiben und nur auf seine Bahn achten lautet die Devise.


In der Kategorie U20 der Frauen ging Leonie Neff beide Läufe, also Halbfinal und Final sehr beherzt an und stellte zweimal neue persönliche Bestleistung auf, nämlich im Qualifiktationslauf als Dritte mit guten 9.24 Sekunden. Im Final dann setzte Leonie noch einen drauf und kam als Siebte in ausgezeichneten 9.06 Sekunden ins Ziel. Sie ist damit unangefochten die Nummer eins im Aargau in ihrer Kategorie.


Tessa Morshuis (Kategorie U18 Frauen) hatte wohl in mehreren Disziplinen den Teilnahmewert erreicht (Sprint 60 Meter und 200 Meter, 60 Meter Hürden und Kugelstossen). Doch sie wollte nichts anbrennen lassen und konzentrierte sich auf ihre stärkste Disziplin. Nur im Hürdensprint wollte sie an den Start gehen. Hier durfte Edelmetall erwartet werden. Und Tessa erfüllte die hohen Hoffnungen. Gleich im Halbfinal gab es einen Kracher mit dem Aargauer Kantonalrekord in der Zeit von ausgezeichneten 8.84 Sekunden. Das bedeutete auch Seriensieg. Tessa lief harmonisch, leichtfüssig und locker. Ja keine Verkrampfungen! Und sie konnte diese Gelöstheit auch in den Final übertragen. Der Start klappte ausgezeichnet und die Zuracher Vorzeigeathletin liess sich von der Konkurrenz nicht abschütteln. Doch am Schluss reichte es nicht ganz nach vorne. Kim Flattich vom TSV Galgenen lief in 8.62 Sekunden als Erste durch das Ziel, gefolgt von Kiana Rösli von der LV Winterthur mit 8.72 Sekunden und als Dritte dann Tessa Morshuis mit 8.88 Sekunden. In dieser Reihenfolge führen die drei gleichaltrigen Spezialisten die Hürdenbestenliste der Schweiz an. Da darf man für die Freiluftsaison einiges erwarten.

Tessa Morshuis bei der Siegerehrung
Tessa Morshuis bei der Siegerehrung

Die frühere Kantonalmeisterin im Hochsprung Dina Holenstein will es dieses Jahr in einer neuen Disziplin versuchen, und zwar ebenfalls im anspruchsvollen Hürdenlauf. Und sie verbesserte sich diesen Winter von Wettkampf zu Wettkampf. In ihrer Halbfinalserie lief sie in der guten Zeit von 9.68 Sekunden und in neuer persönlicher Bestleistung durchs Ziel. Ein toller Erfolg. Doch das bedeutete für Dina vorläufig Endstation und der Finaleinzug blieb ihr verwehrt.


Auch sehr gute Sprintleistungen

Die Hürdenläuferinnen wollten keine Doppelbelastungen eingehen und verzichteten auf den Sprint. Hier gab es dann Einsätze für die Tegerfelderin Svenja Moll (1999), die Baldinger Mehrkämpferin Jessica Büeler (1999) und für die Newcomerin aus Full Delia Schüpbach. Delia hat vor kurzem vom Geräteturnen zur Leichtathletik gewechselt und erstaunt bereits im ersten Jahr durch hervorragende Leistungen.


Während die beste Aargauer Sprinterin 2014 Svenja Moll (1999) schon grosse Routine und Erfahrung hat, vergab sie im Halbfinal durch zu frühes Auslaufen vor dem Ziel den Einzug in den A-Final. Svenja sollte eigentlich wissen, dass ein Rennen erst zehn Meter nach dem Ziel zu Ende ist! Bis dahin wird voll gelaufen. Doch sie wähnte sich zu sicher. Um 1/100 Sekunde wurde sie von Carla Wild vom ST Bern geschlagen und sie musste sich somit mit einem Platz im B-Final begnügen, obschon die gelaufenen 8.13 Sekunden bereits persönliche Bestzeit bedeuteten. Etwas verärgert über diese Situation machte Svenja dann im B-Final alles klar. Sie legte einen Start-Ziel-Sieg hin. Die elektronische Uhr blieb bei der neuen Bestleistung von 8.07 Sekunden stehen. Und Svenja ist damit 2015 in der Halle in ihrer Alterskategorie U18 die schnellste Frau im Kanton Aargau.

Svenja Moll gewinnt den B-Final im Sprint
Svenja Moll gewinnt den B-Final im Sprint

Nicht ganz auf die gewohnte Leistung kam Jessica Büeler. Sie musste sich im Halbfinal in ihrer Serie mit dem sechsten Platz in 8.40 Sekunden begnügen. Die vor Wochen beim Stabhochsprung eingefangene Verletzung und der eingetretene Trainingsunterbruch liessen eben keine besseren Werte zu. Delia Schüpbbach kam ebenfalls nicht ganz an ihre Bestleistung heran. Es war ihre erste Schweizermeisterschaft und daher war die Nervosität besonders hoch. Im Halbfinal stoppte die Uhr für sie bei 8.55 Sekunden. Das bedeutete Platz vier in ihrer Serie.


Leonie Neff mit Fehlstart im 200 Meter-Sprint

Man durfte von Leonie Neff erwarten, dass sie als grossgewachsene schlacksige und langbeinige Mehrkämpferin hier eine neue Bestleistung läuft. Als zweitschnellste Aargauerin in der Kategorie der Frauen U20 hatte sie einen Leistungsausweis von 26.63 Sekunden. Alles im Training hat darauf hingedeutet, dass sie eine tiefe Sechsundzwanziger Zeit laufen könnte. Und Leonie hatte in sechs Disziplinen den Teilnahmewert erreicht. Doch sie wollte sich auf die 200 Meter und den Hürdensprint konzentrieren. Ein Fehlstart ist unverzeihlich. Denn das bedeutet den Ausschluss vom Wettkampf. Leonie hat sich zu früh bewegt und der Schiedsrichter musste ihr die rote Karte zeigen. Das war ärgerlich, denn sie hatte gute Karten. Nun, sie wird sich in Zukunft wahrscheinlich keine unliebsamen Fehlstarts mehr leisten und erst nach dem Schuss der Startpistole die Sprintbewegung auslösen.

Leonie Neff (links) läuft Bestleistung im Hürdensprint
Leonie Neff (links) läuft Bestleistung im Hürdensprint

Die jungen Stabhochspringer überzeugten

Die Zwillinge Mike und Joel Erne aus Würenlingen gingen mit guten Vorgaben an den Start. In ihrer Kategorie U16 der Männer standen sie bis zur Meisterschaft in der Bestenliste auf den Plätzen drei und sieben in der Schweiz und sie sind im Stabhochsprung die Nummer eins und zwei im Kanton Aargau. Mike sprang in gewohnt sicherer Manier fast alle Höhen im ersten Versuch. Für 2.90 Meter brauchte es zwei Versuche und für die 3.00 Meter gar drei. Dies bedeutete Egalisierung der persönlichen Bestleistung und den undankbaren vierten Rang. Damit hatte er die gleich Höhe wie der Springer mit der Bronze-Medaille. Doch der hatte weniger Fehlversuche.  Der Bruder Joel kam in diesem Wettkampf auf gute 2.70 Meter und auf den 7. Schlussrang.

Mike Erne wird mit übersprungenen 3.00 Meter Vierter
Mike Erne wird mit übersprungenen 3.00 Meter Vierter

Die hoffnungsvolle Nachwuchs-Stabhochspringerin Leonie Moll aus Tegerfelden und beste Aargauerin ging den Wettkampf mutig an. Jeweils im ersten Versuch schaffte sie 2.00, 2.20 und 2.40 Meter. Gemäss Wettkampfordnung wurde dann die Latte gleich auf 2.60 Meter gelegt. Das waren ganze 20 Zentimeter mehr als die bisherige Bestleistung. Und vor neuen Höhen hat man Respekt. Leonie riss die Latte dreimal und musste sich mit Rang acht begnügen. Doch Höhen von 2.60 Meter und mehr sind für sie nur noch eine Frage der Zeit. Leonie ist für den Sommer 2015 gerüstet.