Bronze an Staffel-Schweizermeisterschaft 4 x 100 Meter knapp verpasst

Bad Zurzach (ax) – Die Zurzisprinterinnen zählen seit Jahren zu den besten Staffelläuferinnen der Schweiz. Dieses Jahr mussten sie sich an den Landes-meisterschaften in Lausanne mit dem vierten Platz begnügen.

 

Im Mai dieses Jahres ist das Team in der Besetzung mit Delia Schüpbach, Tessa Morshuis, Jessica Büeler und Svenja Moll an den kantonalen Meisterschaften in Zofingen ein erstes Mal gelaufen und hat sich mit der eindrücklichen Zeit von 49.46 Sekunden vor dem BTV Aarau in der Kategorie U18 Frauen den Kantonal-meistertitel geholt. Dies war denn eine klare und gute Vorgabe im Sinne einer Empfehlung für die Staffel-Schweizermeisterschaften, die am vergangenen Samstag im Olympiastadion La Pontaise in Lausanne ausgetragen worden sind. Die Zurzacherinnen standen vor dem Wettkampf mit der viertbesten in diesem Jahr in der Schweiz gelaufenen Zeit zu Buche. Die grossen Kontrahenten kannte man gut aus früheren Wettkämpfen, nämlich die Teams von LV Winterthur, Stadtturnverein Bern, TV Landquart und BTV Aarau. Man durfte sich denn auch heuer wieder echte Chancen ausrechnen auf einen Podestplatz.


Staffellaufen ist geprägt durch Wechseltechnik und Vertrauen

Staffellaufen ist eine attraktive Disziplin. Sie erfordert von allen Beteiligten höchste Konzentration, damit im richtigen Zeitpunkt weggelaufen wird. Doch es braucht auch Vertrauen sowohl zu der den Stab überbringenden als auch zur übernehmenden Staffelläuferin. Die Wechseltechnik muss eingespielt und sehr oft trainiert werden. Weglaufmarken von 15 – 18 Fuss müssen ausgelotet sein, damit der Stab erst bei Erreichen der Höchstgeschwindigkeit der übernehmen-den Läuferin in die Hand gedrückt wird. Das hat seinen Reiz und birgt auch Risiken. Sprinter und Sprinterinnen laufen zu früh weg oder sie verpassen den richtigen Zeitpunkt zum Wegrennen. Das kann zur Disqualifikationen oder eben zu sog. „stumpfen“ Wechseln führen. Und der Stab darf auf keinen Fall aus den Händen fallen, so wie dies im letzten Jahr der Nationalmannschaft der Schweizer Frauen in Zürich an den Europameisterschaften passiert ist und die Übergabe-zone darf nicht überlaufen werden.   


Die erste Läuferin startet im Tiefstart von den Startblöcken, die Startlinien der einzelnen Bahnen sind zum Ausgleich der Kurvenlänge je um acht Meter versetzt. Die Läuferinnen dürfen die Bahnen nicht verlassen. Der Wechselraum zur Stab-übergabe ist nur 20 Meter lang. Die übernehmende Läuferin darf allerdings in einem zusätzlichen „Beschleunigungsraum" Geschwindigkeit aufbauen, der 10 Meter vor dem eigentlichen Wechselraum beginnt. Entscheidend für die Ein-haltung des Wechselraumes ist die erste Berührung durch die übernehmende Läuferin vor dem Ende der Wechselzone. Kurvenrichter kontrollieren jede Über-gabe und ahnden überlaufene Zonen mit Disqualifikation. Mehrere starke Teams haben diese Schmach in Lausanne erfahren müssen, so z.B. die favorisierten Sprinterinnen von der SV Winterthur.

 

19 Teams kämpften in der Kategorie U18 der Frauen um einen Finalplatz

Der Austragungsmodus ist immer der gleiche: Wer in den Vorläufen auf Rang eins und zwei kommt, qualifiziert sich automatisch für den Halbfinal. Die rest-lichen Plätze werden über die gelaufene Zeit vergeben. Das Team des LC Bad Zurzach war der ersten von drei Vorlauf-Serien zugelost worden. An einer Schweizermeisterschaft muss von Anfang an alles gegeben werden. Denn es laufen nur die besten Teams der Schweiz. Der Trainer Cor Madou hat dieses Jahr die Mannschaft neu zusammensetzen müssen, denn die bewährten Staffelläufer-innen Leonie Neff und Annabell Büeler standen in der Kategorie U18 nicht mehr zur Verfügung. Sie sind heute in der Kategorie U20. Also bekamen jüngere Leute eine neue Chance. Die Athletin Delia Schüpbach aus Full drängte sich eigentlich auf. Sie hat in den letzten zwei Jahren schnelligkeitsmässig und athletisch grosse Fortschritte gemacht. Sie ist teamfähig und hat für das anspruchsvolle Staffel-laufen grosses Einfühlungsvermögen. Delia wurde als Startläuferin bestimmt, weil sie auch sehr gut die Kurve in starker Innenneigung laufen kann. Dann erfolgt die Übergabe eins an die mehrfache Aargauer Sprintmeisterin Tessa Morshuis, die schon über sechs Jahre mit dem Staffellaufen vertraut ist. Ein sicherer Wert auf der Gegengerade. Früher war Tessa immer als Schlussläuferin eingesetzt. In der zweiten Kurve hat die routinierte Hürdenläuferin und Mehr-kämpferin Jessica Büeler neu ihren Stammplatz bekommen. Auf der Schluss-geraden hat sich die Hochfrequenz-Sprinterin Svenja Moll aus Tegerfelden mehr als empfohlen. Sie kann zulegen, wenn es darauf ankommt. Schon mehrmals hat sie auf den letzten Metern noch Plätze gut machen können. Und die Übergaben zwischen Jessica und Svenja sind und waren immer optimal. Sie haben das schon hunderte Male geübt und das Vertrauen ist unerschütterlich. Das machte es denn auch aus im Vorlauf. Die Zurzacherinnen liefen mit der respektablen Zeit von 50.02 Sekunden knapp hinter dem Team des TV Landquart als Zweite ins Ziel. Also eine Runde weiter. Zuversicht machte sich breit. Alle hatten ein gutes Gefühl. Und es ist zu bedenken, dass die Leichtathleten in Zurzach keine Rund-bahn zur Verfügung haben. In den Trainings muss daher improvisiert werden. Ab und zu kann auf der Anlage Tiengen oder Brugg trainiert werden. Die Zeiten sind daher umso erstaunlicher.


Im Halbfinal und Final nochmals zugelegt

knapp an Bronze vorbei geschrammt; Delia Schüpbach, Jessica Büeler, Svenja Moll, Tessa Morshuis
knapp an Bronze vorbei geschrammt; Delia Schüpbach, Jessica Büeler, Svenja Moll, Tessa Morshuis

Und weil eben im Vorlauf alles stimmte wurden nur noch Feinheiten abgestimmt, so die Weglaufmarken etwas verlängert, um die Übergabe bei einer noch höheren Geschwindigkeit vollziehen zu können. Das ist kalkuliertes Risiko. Das muss man aber eingehen. Die Zurzacherinnen kennen sich. Sie wurden in den vielen Staffelrennen der letzten Jahre nie disqualifiziert. Das Vertrauen zuein-ander und die Sicherheit der Partnerinnen sind eben von den wichtigsten Faktoren. Dieses gute Gefühl förderte die Lockerheit und die Gewissheit auf ein gutes Gelingen. Und es kam auch so. Im Halbfinal wurde unter der Fünfzig-Sekundengrenze gelaufen, nämlich 49.96 Sekunden. Erneut zweiter Rang und direkte Qualifikation für die Endrunde. Im Final der besten acht Teams wurde wieder alles gegeben. Fast alles lief wieder rund. Einzig Tessa Morshuis lief etwas zu nahe auf Jessica Büeler auf. Hier wäre das Verlängern der Ablaufmarke um zwei Fusslängen nötig gewesen. Die Zurzacherinnen lagen auch bis zum dritten Wechsel auf Platz drei. Am Schluss fehlte ein Hauch hinter dem BTV Aarau. Die Einlaufreihenfolge lautete: 1. TV Landquart (48.23 Sekunden), 2. Stadtturnverein Bern (49.07 Sekunden), 3. BTV Aarau (49.40 Sekunden) und 4. LC Bad Zurzach (49.84 Sekunden).


Nicht etwa Bedauern machte sich breit, nein Freude. Weil Delia Schüpbach zum ersten Mal an einer Landesmeisterschaft eine so grossartige Leistung erbringen konnte, weil alles stimmte, weil die Stimmung im Stadion einmalig war, weil es der Organisator verstand, die Athleten und Athletinnen in den Mittelpunkt zu stellen und überall Wertschätzung zum Ausdruck kam. Die Begeisterung der Zuschauenden hat sich auf die Wettkämpferinnen und Wettkämpfer übertragen und umgekehrt. Die Melodien aus den Diamond-Ligue-Veranstaltungen gingen ans Herz. Sport hat Freude und Anerkennung vermittelt. Das ist ja letztlich der Sinn dieser Sache. Das Team-Erlebnis hat die Zurzisprinterinnen einander noch näher gebracht. Und sie zählen weiterhin zu den besten Staffel-Teams der Schweiz!