Stabspringer für Schweizermeisterschaft in Form

Bad Zurzach (ax) – Mike Erne und Leonie Moll erreichen beim letzten Test vor der Schweizermeisterschaft persönliche Bestleistung im Stabhoch-sprung

 

Es gehört zur guten Taktik eines Athleten, eine Woche vor der Landesmeister-schaft aus dem Training heraus sich nochmals einem Test zu unterziehen und in einem Wettkampf auszuprobieren, wie man eine Woche später am wichtigsten Anlass des Jahres springen möchte. Es gilt eine Strategie festzulegen, auf welcher Anfangshöhe der Athlet in den Wettkampf einsteigen will, um in möglichst wenigen Versuchen auf die Besthöhe zu kommen und dadurch die Ermüdung möglichst lange hinauszuzögern. Dann geht es aber auch um die Kontrolle des Anlaufes: Ist der Lauf rhythmisch und wird die Schrittkadenz auf den Absprung hin kontinuierlich gesteigert? Athlet und Trainer fragen sich, ob der Absprung, der Pendel und das Einrollen am Stab bewusst verzögert werden und damit durch die stärkere Biegung des Stabes mehr Rückschlagenergie aus dem Gerät geholt werden kann. Das führt dann nach den Gesetzen der Biomechanik unweigerlich auch zu einer grösseren Höhe zufolge des stärkeren Schleuder-effektes. Der Athlet muss im Laufe der Jahre ein gutes Gefühl entwickeln, die im Stab durch die Biegung gespeicherte Energie im richtigen Moment auszunutzen und in Höhe umzusetzen. Dies ist ein sehr anspruchsvoller Prozess. Die Zwillinge Mike und Joel Erne aus Würenlingen sowie Leonie Moll aus Tegerfelden haben sich vor vier Jahren entschieden, in der Trainingsgruppe des LC Bad Zurzach mit dem Trainer Martin Schütz einen gemeinsamen Weg zu gehen.

 

Beharrlichkeit führt zum Erfolg

Joel Erne
Joel Erne
Leonie Moll
Leonie Moll
Mike Erne
Mike Erne

Heute nach einer langen Phase des Aufbaus dürfen die drei Leichtathleten stolz sein. Sie haben es geschafft, sich zu den Top Ten der Schweizer Stabhochspringer zählen zu dürfen. Es brauchte bisher im Schnitt drei vielseitige Trainings pro Woche. Da stand zunächst die Entwicklung der Laufschnelligkeit im Vordergrund, dann die Sprungkraft, die Armkraft und letztlich die turnerische Fertigkeit am Stab. Da wurde eben auch ein Grossteil der Zeit im Winter ins Geräteturnen investiert. Hinzu kamen regelmässige Trainings beim Kadertrainer Kari Sager vom BTV Aarau. Die drei Athleten, ihre Eltern und die Trainer haben sehr viel investiert. Doch eben für eine gute Sache, die sich heute sehen lassen darf.

 

Zwei neue Bestleistungen

Mike und Leonie gingen den Wettkampf ganz locker an. Sie machten es wie immer. Anfangshöhe auf einem Niveau, die stets gemeistert worden war in der Vergangenheit. Dann immer zehn Zentimeter höher bei jeder neuen Höhe. Leonie Moll hatte in diesem Jahr in  fünf Wettkämpfen mehrmals ihre letztjährige Höhe von 2.70 bestätigen können. Vor kurzem erreichte sie in Aarau und Zofingen zweimal 2.80 Meter. In Baden liess sie sich am vergangenen Sonntag nach vier vorangegangenen Sprüngen keck die neue Bestmarke von 2.90 Meter auflegen. Leonie hat grosses Selbstvertrauen gewonnen. Das ist eine wichtige Voraussetzung für neue, ungewohnte Höhen. Und sie schaffte damit eine neue Bestleistung.

 

Vor drei Wochen war Mike Erne in Zofingen die persönliche Besthöhe von 3.30 Meter gesprungen. In Baden verlangte er von den Kampfrichtern, dass die Latte auf spektakuläre 3.50 Meter hochgezogen werde. Das bedeutete eine Steigerung um sage und schreibe 20 Zentimeter! Er schaffte das Unglaubliche schon im zweiten Versuch. Damit katapultierte sich Mike in der schweizerischen Bestenliste auf den grossartigen zweiten Platz vor. Er ist damit zu einem Medaillenanwärter für die Schweizermeisterschaft geworden.

 

Joel Erne pokerte zu hoch

Er hatte sich das anders vorgestellt. Er überlässt sonst nichts dem Zufall. Natürlich gehört immer Mut und eine Prise Frechheit beim Stabhochsprung dazu. Er ist in diesem Jahr in vier Wettkämpfen viermal 3.00 Meter gesprungen. An der Höhe von 3.20 hat er mehrmals gekratzt. Immer hatte er auf der neuen Höhe drei Fehlversuche. Diesmal sagte er sich, dass er in möglichst wenigen Sprüngen bis auf 3.20 Meter kommen möchte. Also stieg er erst bei der Höhe von 2.80 Meter in den Wettkampf ein. Dies sind 20 Zentimeter weniger als seine bisherige Bestleistung. Also muss alles stimmen im Wettkampf. Wird es hinhauen oder nicht? Das war seine Frage. Es darf in solchen Situationen überhaupt keine Zweifel geben und das Selbstvertrauen muss unerschütterlich sein. Das war es nicht. Joel fing zu zaghaft an. Es folgten leider nur Fehlversuche, bei denen die Latte gerissen wurde. Aus der Traum! Er musste enttäuscht seine Sachen packen und aus Distanz bewundern, wie sein Zwillings-Bruder Joel hoch über die Traumhöhe von 3.50 Meter segelte. Joel wird nun die Taktik für die Schweizer-meisterschaft ändern. Mike und Leonie versuchen die guten Erfahrungen vom letzten Sonntag in Riehen an den Schweizermeisterschaft zu wiederholen. Möge es ihnen gelingen!