Fünfmal Edelmetall an Regionenmeisterschaften geholt

Bad Zurzach (ax) - Fünfhundert Nachwuchstalente aus zehn Kantonen kämpften am vergangenen Wochenende an den Regionenmeisterschaften um die Medaillen. Die Leichtathleten des LC Bad Zurzach waren erneut sehr erfolgreich.


In drei Schweizer Städten wurden am vergangenen Wochenende gleichzeitig die Regionenmeisterschaften für die Nachwuchskategorien U14, U16 und U18 ausgetragen, nämlich in Thun für die Kantone der Westschweiz und Bern, in Winterthur für die ganze Ostschweiz, das Tessin sowie den Kanton Zürich und in Aarau für die Zentralschweiz mit den zehn Kantonen UR, SZ, OW, NW, LU, ZG, AG, BL, BS und SO. Der LC Bad Zurzach stellte ein Kontingent von zehn Athleten und Athletinnen. Prominente Abwesende war Dina Holenstein; sie muss sich von einer Verletzung erholen.


Zurzacher Stabspringer immer gut für eine Überraschung

Der Samstag begann mit einem Paukenschlag. Der fünfzehnjährige Mike Erne mit Jahrgang 2000 begann mit der Einstiegshöhe von 2.60 Meter. Es sei vorweggenommen: Mike gewann die Goldmedaille und brauchte für diesen einzigartigen Sieg nur sage und schreibe fünf Sprünge. Das ist grosse Klasse. So machen es die ganz grossen Stabspringer der Welt! Sie brauchen möglichst wenige Versuche, um auf der Siegeshöhe noch keine Energieprobleme zu haben, also noch nicht ausgelaugt zu sein! Mike schaffte sämtliche Höhen im ersten Versuch! Also 2.60 Meter, dann 2.80 Meter, im dritten Sprung war er bereits auf 3.00 Meter. Es folgte dann die neue Besthöhe von 3.10 Meter gleich im ersten Versuch. Und es gab noch eine Zugabe. Mit grossem Selbstvertrauen liess er sich die neue, noch nie gesprungene Höhe von 3.20 Meter auflegen. Und siehe da: Zur grossen Überraschung des Trainers Martin Schütz, seiner Eltern und seiner ganzen Trainingsgruppe schaffte er diesen neuen Vereinsrekord und die grossartige persönliche Bestleistung in technischer Vollkommenheit. Die Freude war gross und die Spannung war aber weg. Er hatte ja bereits alle Konkurrenten hinter sich gelassen. Er war noch alleine im Wettkampf und versuchte die „Lieferwagenhöhe“ von 3.30 Meter. Doch die Luft war „draussen“. Die Schnelligkeit und Explosivität fehlte nun und die 3.30 Meter wurden dreimal gerissen. Doch Mike Erne war erstmals Regionenmeister.


Sein Zwillingsbruder Joel stand ihm nicht viel nach. Joel sprang ebenfalls je im ersten Versuch die 2.60 Meter, 2.80 Meter, 2.90 Meter und die 3.00 Meter. Also gar in nur vier Sprüngen. Bei 3.10 Meter war für Joel allerdings Endstation. Doch ebenfalls persönlich Bestleistung und Platz drei mit Bronze-Medaille am zweitgrössten Leichtathletikanlass des Jahres in der Schweiz. Mike und Joel sind im Kanton Aargau im Stabhochsprung unbestritten die Nummern eins und zwei. In der Schweiz hat Mike nur noch vier Springer vor sich, die besser sind. Joel ist schweizerisch die Nummer neun der momentanen Bestenliste.


Was bei Leonie Moll mit Jahrgang 2001 in der gleichen Disziplin folgte, war der Hammer. Die Tegerfelderin konnte in der Kategorie U16 der Frauen ihre bisherige Besthöhe gleich um 20 Zentimeter steigern auf grossartige 2.80 Meter.  Für diese Höhe brauchte sie insgesamt neun Sprünge. Das kostet eben schon viel Kraft und die Athletin wird dann allmählich auch müde.

Leonie Moll meistert 2.80 im Stabhochsprung
Leonie Moll meistert 2.80 im Stabhochsprung

Auf 2.90 Meter – dies war die Höhe der Siegerin Mia Zimmermann vom Club OB Basel – scheiterte Leonie noch dreimal knapp. Doch das ist nur eine Frage der Zeit, bis Leonie Moll erstmals die drei Meter schafft! Sie durfte bei der Siegerehrung die Silbermedaille in Empfang nehmen. Für Leonie war das der bisher grösste Erfolg in ihrer nun schon vier Jahre dauernden Leichtathletikkarriere und sie schaffte damit auch den Sprung auf Rang vier in der Schweiz.


Tessa Morshuis erneut mit  Meisterschaftsmedaille im Sprint

Eine Woche zuvor bei den Kantonalmeisterschaften in Wohlen ist es Tessa Morshuis bereits rund gelaufen. Da hat sie ihr Selbstvertrauen stärken und dadurch mit Lockerheit in Aarau den Wettkampf angehen können. Doch sie und auch ihre Clubkollegin Svenja Moll konnten ihre in Wohlen gelaufenen Zeiten im Sprint über 100 Meter nicht wiederholen. Denn es herrschten Gegenwind, Regen und recht kühle Temperaturen. Tessa kam im Vorlauf als Seriensiegerin auf 12.88 Sekunden, dann im Halbfinal auf 12.90 Sekunden und im Final auf gute 12,84 Sekunden, was Rang drei und damit Bronze-Medaille in der Königs-disziplin Sprint bedeutete. Tessa’s Bestzeit steht dieses Jahr über 100 Meter bei sensationellen 12.60 Sekunden.


Svenja Moll, die Nummer 1 im Aargau über die Distanz von 100 Meter mit 12.56 Sekunden in der Kategorie U18 hatte in Aarau Mühe, bei den misslichen Verhältnissen auf Touren zu kommen. Sie begann im Vorlauf mit 12.96 Sekun-den, im Halbfinal wurde sie in ihrer Serie mit 13.04 Dritte und im Final fehlten auf den letzten zwanzig Metern die Lockerheit und das Stehvermögen. Svenja musste sich mit 12.98 Sekunden begnügen, was eben nur für den fünften Rang reichte. Die Enttäuschung war verständlich. Mit im Bund der Zurzacher Sprinter-innen war auch Jessica Büeler aus Baldingen. Auch bei ihr war der Wurm drin. Sie kam im Vorlauf auf 13.12 Sekunden. So blieb ihr der Einzug in den Halbfinal und in den Final verwehrt. Sie musste zuschauen.


Das Hürdenlaufen liegt den Athletinnen aus Zurzach

Über 100 Meter Hürden waren Tessa Morshuis und Jessica Büeler – die besten zwei Hürdenläuferinnen unseres Kantons - eingeschrieben. Tessa ging mit einer Bestleistung von 14.79 Sekunden an den Start, die eine Woche zuvor gelaufen worden waren und Jessica mit 15.71 Sekunden. Tessa legte bereits im Halbfinal eine persönliche Bestzeit hin mit 14.70 Sekunden und wurde unangefochtene Siegerin. Dann folgte zwei Stunden später der Final. Ruhig und abgeklärt ging Tessa an den Start. Doch nach dem Schuss des Starters explodierte sie förmlich und hämmerte sich schon bei der ersten Hürde an die Spitze. Diese gab sie nicht mehr ab bis ins Ziel. Der Lauf war locker aber dennoch aggressiv. Immer mit dem Blick auf die Querlatte der nächsten Hürde fixiert. Es war eine Symphonie der Schnelligkeit, Eleganz, Körperbeherrschung und Schönheit der Bewegung. Der Lauf war vergleichbar mit einer sich fortbildenden Welle im Wasser. Tessa hatte mit einer grossartigen Zeit von 14.61 Sekunden die Goldmedaille gewonnen.

Tessa mit Bestzeit schon im Halbfinal (Nr. 478) vor Jessica Büeler (Nr. 470)
Tessa mit Bestzeit schon im Halbfinal (Nr. 478) vor Jessica Büeler (Nr. 470)

Jessica Büeler wirkte in der gleichen Halbfinalserie wie Tessa Morshuis laufend wohl locker. Im Halbfinal kam sie mit den erreichten 15.73 Sekunden bis auf zwei Hundertstel-Sekunden an ihre Bestleistung heran. Doch das genügte bei diesem sehr starken Feld der besten Läuferinnen der Deutschschweiz eben nicht für den Finaleinzug. Und das wäre ihr zu gönnen gewesen. Nun muss eben an der Sprintschnelligkeit und an der Hürdentechnik bis zur Schweizermeister-schaft hin noch gearbeitet werden. Eine erneute Verbesserung ist ihr zuzutrau-en.


Den Nachwuchsleuten der Kategorie U14 blieb der Einzug in den Final verwehrt

Man weiss es: Um an Regionenmeisterschaften ganz vorne mit dabei sein zu dürfen, braucht es mehrere Jahre an Aufbauarbeit. Die Sprinterin Laura Perlini (2002) und Jamie Reuper (2002) sind auf dem besten Weg dazu. Doch es reichte nicht ganz. Laura wurde im Vorlauf über 60 Meter Sprint Erste mit 8.65 Sekun-den. Im Halbfinal erreichte sie mit 8.68 Sekunden den vierten Platz in ihrer Serie. Das war zu langsam zum Weiterkommen in den Final. Doch sie startete ja noch im Weitsprung. Dort wurde sie mit 4.52 Meter Achte. Im Anlauf des Hoch-sprunges war zu wenig Spannung drin. Die gesprungenen 1.25 Meter bedeu-teten Rang 17.


Jamie Reuper aus Tegerfelden ist dieses Jahr noch nicht so richtig in Form gekommen. Es fehlt ihr noch an Lockerheit und Aggressivität. Auch ihr blieb der Einzug in den Final verwehrt. Im Sprint über 60 Meter wurde sie wohl Zweite in ihrer Vorlaufserie. Sie trat dann aber im Halbfinal nicht mehr an, weil zwischen Sprint und Hürden praktisch keine Erholungszeit zur Verfügung stand. Im Hürdenlauf klappte es nicht nach Wunsch. Die Hindernisse wurden zu hoch überlaufen und der Oberkörper wird beim Überlaufen der Hürde zu stark ver-dreht. Dies erlaubt dann eben keine Spitzenzeiten. Jamie kam mit den gelaufen-en 11.57 Sekunden nicht über den dritten Vorlauf-Platz hinaus.


Alicia Fechner (2002) und Adrian Mathis (ebenfalls 2002) aus Schneisingen sind im Kommen. Doch es braucht eben noch weiterhin Geduld und Hartnäckigkeit. Alicia wurde bei widrigen Wetterverhältnissen in ihrem Vorlauf über 60 Meter Sprint in 9.74 Sekunden Fünfte und im Kugelstossen mit 5.75 Meter Siebzehnte. Adrian Mathis erreichte im Sprint über 60 Meter eine neue persönliche Best-leistung mit 9.41 Sekunden. Im Weitsprung kam er auf 3.85 Meter, was Rang 17 bedeutete, und im Diskuswerfen flog die Scheibe auf 19.84 Meter. In dieser Disziplin wurde er Siebter.

Trotz schlechtem Wetter fröhlich im Wettkampf (von links Jamie Reuper, Alicia Fechner und Laura Perlini)
Trotz schlechtem Wetter fröhlich im Wettkampf (von links Jamie Reuper, Alicia Fechner und Laura Perlini)

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