Leonie Moll wird Schweizermeisterin im Stabhochsprung, Bronze für Leonie Neff im Speer und für Laura Perlini im Weitsprung

Bad Zurzach (ax) – An den Nachwuchs-Schweizermeisterschaften vom vergangenen Wochenende zeigten sich die Zurzibieter Leichtathletinnen von der besten Seite und überraschten mit grossartigen Leistungen.


Die Voraussetzungen waren einmalig. Bestes Kaiserwetter, einzigartige Stimm-ung, perfekte Wettkampforganisation durch den BTV Aarau und gutgelaunte Zuschauer waren Motivation genug für die mehr als 500 angemeldeten Athlet-innen und Athleten der Kategorien U18 und U16. Es gab auch mehrere Schweizer-Rekorde zu beklatschen. Solche Bedingungen findet man selten an einem Wettkampf. Die Voraussetzungen für Topleistungen waren also gegeben.

 

Leonie Moll (2001) – die Artistin am Stab

Leonie Moll beim Sprung zur Schweizermeisterin
Leonie Moll beim Sprung zur Schweizermeisterin

Die Tegerfelderin, die seit diesem Jahr für den BTV Aarau startet,  besucht die vierte Bezirksschul-klasse in Endingen und möchte im kommenden Jahr eine Lehre als Hochbauzeichnerin begin-nen. Hier wie dort also neue Heraus-forderungen. Kurz vor der Schweizer-meisterschaft brach ihr im Training der Glasfiberstab. Leonie bringt letztlich auch schon ein recht hohes Anlauf-tempo mit in den Einstichkasten und in den Absprung. Sie hat den Mut, ihr ganzes Körpergewicht während des Pendels voll in den Stab zu hängen und vor dem Ein-rollen gar zu verzögern. So kann der biegsame Stab mit einer ma-ximalen Spannungsenergie geladen werden. Das bringt beim Hochschnell-en in die Stab- und Körperstreckung den idealen Schub für Höhe. Leonie Moll beherrscht dieses Timing. Ihr Trainer Kari Sager musste kurzfristig vor dem Wettkampf noch einen neuen Stab einkau-fen, der dem heutigen Können der Athletin Rechnung trägt. Die Stäbe sind indi-viduell abgestimmt auf das Körpergewicht der Athletin und haben unterschied-liche Härtegrade. Wer einen harten Stab wählt, kriegt die Biegung nur durch sehr hohe Anlaufgeschwindigkeit hin und durch einen explosiven Absprung. Trainer und Athletin entschieden sich für einen härteren Stab. 

Sie begann den Wettkampf auf der Höhe mit drei Metern. Alle anderen Athlet-innen hatten ihren Wettkampf schon beendet. Die Gewinnerin der Silberme-daille Mia Zimmermann aus Basel erreichte 2.90 Meter. Leonie Moll hatte also keine Konkurrenz mehr im Wettkampf. Sie war auch die Favoritin für den Sieg, denn im Vorfeld hatte sie auf die Zweitplatzierte der Bestenliste einen Vorsprung von sage und schreibe einem halben Meter!

Leonie gab eine souveräne Vorstellung, die geprägt war von Ruhe und Konzen-tration. Nur sie war noch im Wettkampf. Und sie sprang immer höher! Die gemeisterten Höhen lauteten 3.00, 3.20, 3.35 und 3.50 Meter. Auf der Rekord-höhe von 3.60 Meter scheiterte sie dreimal. Doch das Erreichte in dieser Saison 2016 darf für die Zukunft hoffen lassen. Sie war in diesem Jahre ja auch schon Schweizermeisterin in der Halle mit 3.40 Meter. Leonie ist nun in ihrer Alters-kategorie klar die Nummer eins in der Schweiz und sie hat das Zeug, in den höheren Altersklassen U18 und U20 in den nächsten Jahren ganz vorne mitzu-mischen. Und sie hat Zeit, denn sie ist noch nicht mal fünfzehn Jahre alt und startet erst in der Kategorie U16.

 

Laura Perlini (2002) macht einen Sprung an die Schweizer Spitze

Laura Perlini freut sich über den dritten Platz im Weitsprung
Laura Perlini freut sich über den dritten Platz im Weitsprung

Die Athletin des LC Bad Zurzach ist ebenfalls erst 14 Jahre alt und trainiert seit 2012 konsequent mehrmals pro Woche mit dem Mehrkampftrainer Hansjörg Weber. Sie besucht an ihrem Wohnort die Bezirksschule. Weitsprung war immer ihre Lieblings-disziplin und sie hat sich Jahr für Jahr verbessert. 4.17 Meter im Jahre 2012, 4.46 Meter im 2013, 4.52 Meter im 2014 und 4.65 Meter im vergangenen Jahr. Aber in Aarau explodierte sie förmlich und sie legte auch besonder-es Können an den Tag. Mit 5.18 Meter aus dem zweiten Durchgang wollte sie sich nicht zufrieden geben und wollte nicht ohne Medaille nach Hause gehen. Im entscheidenden letzten Durchgang konnte sie das Klassement noch ändern durch einen gewaltigen Satz und persönlicher Bestleistung sowie Vereins-rekord auf grossartige 5.35 Meter. Die Schrittfrequenz vor dem Balken war sehr hoch und das Absprungbrett wurde nach einem Anlauf von 30 Metern ideal ge-troffen. Das war der Sprung zum Edelmetall Bronze. Nun ist Laura Perlini in der Kategorie U16 die Nummer zwei im Kanton Aargau und die Nummer sechs in der Schweiz. Das gibt Motivation für die Zukunft. Im Hürdenlaufen lief es ihr nicht ganz nach Wunsch. Wohl legte sie die 80 Meter Hürden-Distanz in einer neuen persönlichen Bestzeit von 12.78 Sekunden zurück. Nur um zwei Hundertstel-Sekunden verpasste Laura den Einzug in den Final der besten acht Schweizer Hürden-Läuferinnen. Doch das ist eben der Reiz einer Meisterschaft, wo die Besten nur über Vor- und Zwischenläufe im Knockout-System weiterkommen. Nun darf die besonnene Laura Perlini das Wintertraining mit Zuversicht angehen und sich auf weitere gute Leistungen in den Disziplinen Weitsprung, Sprint und Hürden in der Saison 2017 freuen.

 

Leonie Neff (1997) holt zweite Medaille an Schweizermeisterschaften

Leonie Neff Bronze im Speerwerfen
Leonie Neff Bronze im Speerwerfen

Im Matura-Jahr 2016 konnte die Zur-zacherin Leonie Neff nicht wie gewohnt trainieren. Vieles stimmte im Sport nicht. Doch nach einem ausgezeichnet-en Schulabgang an der Kantonsschule Baden konnte die Athletin locker und entspannt und mit reduziertem Trai-ning an die Meisterschaften der Katego-rien U23 und U20 gehen. Diese fanden für ihre Altersklasse in Langenthal statt.

Schon im zweiten Versuch flog das 600 Gramm schwere Gerät genau 40.00 Meter weit. Das brachte sie in den Final. Doch leider konnte sie in den weiteren vier Versuchen nicht mehr zulegen. Die spätere Siegerin und Weltmeisterin Geraldine Ruckstuhl vom TV Altbüron hatte bereits beeindruckende 51.47 Meter vorgelegt, also elf Meter weiter als Leonie! Zu Silber fehlten der Zurzacher-in lediglich 97 Zentimeter. Doch Leonie Neff war glücklich über diesen Saisonab-schluss. Sie wird in diesen Tagen das Studium an der Fachhochschule Brugg in Angriff nehmen. Während fünf Jahren will sie sich dort zur Oberstufen-Lehrerin ausbilden lassen. Während dieses anspruchsvollen Studiums bleibt ihr aber nun mehr Zeit als bisher, um das systematische Leichtathletiktraining in einem neuen Umfeld weiterführen zu können.

 

Weitere Platzierungen von Zurzibieterinnen

Die bekannte Zurzacher Hürdenläuferin Tessa Morshuis (1997) war an diesem Wochenende nicht in Form. An vergangenen Meisterschaften konnte sie immer gute Leistungen abrufen. Diesmal klappte es nicht. Die Harmonie des lockeren Laufens und die weiche Eleganz der Hürdenüberquerung waren ihr diesen Sommer etwas abhanden gekommen. Im Vorlauf legte sie in ihrer Serie eine Zeit von 16.04 Sekunden vor, was nur zu Rang fünf reichte. Doch diese Zeit reichte gerade noch, um in den Halbfinal zu kommen. Hier musste Tessa erstmals sämt-liche Läuferinnen in ihrer Karriere an sich vorbeiziehen lassen. Mit 16.21 wurde sie Letzte. Das schmerzte schon etwas. Und Tessa lag weit entfernt von ihrer Bestzeit aus dem letzten Jahr, als sie grossartige 14.61 Sekunden lief. Die Saison 2016 ist für sie abgeschlossen. Doch bald beginnt für Tessa in einem neuen Umfeld mit der Trainerin und mehrfachen Schweizer-meisterin Rita Schönen-berger – Heggli in Zürich das Wintertraining im Sprint und Hürdenlaufen.

Die für den BTV Aarau startende Klingnauerin Daphne van den Berg ging in Langenthal in der Kategorie U20 über 100 Meter und 200 Meter an den Start. In beiden Disziplinen qualifizierte sie sich für den Final. In den Halbfinalläufen erreichte sie zwei feine persönliche Bestleistungen: Über 100 Meter 12.46 Se-kunden und 200 Meter 25.51 Sekunden. Das gab Motivation für den Final. Doch die Kraft reichte im Endlauf nicht aus. Daphne wurde im Kurzsprint-Final 100 Meter Fünfte in 12.53 Sekunden und im Final über 200 Meter Sechste in 25.93 Sekunden.