Leonie Moll ist Schweizermeisterin

die strahlende Schweizermeisterin
die strahlende Schweizermeisterin

Bad Zurzach (ax) – An den Hallen-Schweizermeister-schaften überzeugte die vierzehnjährige Leichtath-letin mit einem neuen Aargauer Kantonalrekord und mit dem Meistertitel

 

Die zierliche 45 Kilogramm schwere Athletin steht mit ihren vierzehn Jahren wohl noch am Anfang einer sportlichen Karriere. Doch am vergangenen Sonntag holte Leonie Moll aus Tegerfelden nach vier Jahren Training beim LC Bad Zurzach und Einführung in die Grundlagen der anspruchsvollen Sportart wieder einmal einen Schweizermeistertitel in der Leichtath-letik in die Region!


Die übersprungene Höhe von 3.40 Meter setzt wirklich Mut und grosses Können voraus. Vergleichbar ist dieser Sprung etwa mit der Aufgabe, dass man einen mittelgrossen Lastwagen überqueren müsste.  Auch die Raumhöhe in unseren Wohnungen wäre noch um einen Meter zu tief. Die neue Kantonalrekordhöhe von 3.40 Meter in der Kategorie U16 Frauen ist wirklich grosse Klasse. Leonie hat den bisherigen Rekord von Lena Schütz (LC Bad Zurzach) aus dem Jahre 2012 um sage und schreibe sechzig Zentimeter verbessert!

 

Mit Beharrlichkeit und Networking zum Erfolg

2011, im Alter von zehn Jahren, wechselte Leonie Moll von der Jugendriege Teger-felden und von der Geräteriege Endingen zum Leichtathletikclub Bad Zurzach. Denn damals hatte sie mitbekommen, wie attraktiv die Sportart Leichtathletik sein kann. Ihre um zwei Jahre ältere Schwester Svenja hatte damals in der Gruppe mit Tessa Morshuis, Dina Holenstein, Leonie Neff,  Jessica Büeler und Co bereits erste Kantonalmeistertitel in Sprint und Staffellauf gesammelt. Das hat sie motiviert, in die Sportart Leichtathletik zu wechseln. Bei Franz von Arx erlernte sie das Einmaleins des Sprintens, Springens und Hürdenlaufens. In einem Anima-tionstraining für Stabhochsprung wurde für den Trainer und Athletin klar, dass dies wirklich die gesuchte Herausforderung war. Martin Schütz übernahm dann Leonie im Winter 2012 in die Gruppe der Stabhochspringerinnen und –springer. Hier ging es schon hoch zu und her. Denn hier waren mit Lena Schütz, Joel und Mike Erne, Jessica Büeler und Monja Richner junge erfolgreiche, hoffnungsvolle und motivierte Stabartisten in der Gruppe. Auch Lena Schütz hat früher schon Medaillen von Schweizermeisterschaften nach Hause gebracht.

Von da an ging es bergauf mit Leonie. Nebst dem Clubtraining durfte sie als jüngste Athletin auch regelmässig das Kadertraining des aargauischen Leicht-athletikverbandes in Aarau bei Kari Sager besuchen. Dieses dreimalige Training pro Woche, die Beharrlichkeit und der unbändige Wille führten letztendlich zum Erfolg.

Leistungsentwicklung von Leonie Moll:

Jahr Höhe (im Freien) Höhe (in der Halle)
2012 1.70 m
2013 2.10 m 1.60 m
2014 2.50 m 2.10 m
2015 3.15 m 2.60 m
2016 -

3.40 m

 

Eine anspruchsvolle Technik

Leonie selber meint, dass sie in den Wett-kämpfen immer sehr nervös sei. Doch dem Betrachter zeigt sich eine höchst konzentrier-te junge Frau, die sich durch Lärm im Stadion, wo eben noch andere Disziplinen ausgetra-gen werden, kaum ablenken. Leonie sieht nur ihre Anlaufbahn. Der Anlauf zählt 8 Doppel-schritte, d.h. er ist rund 25 Meter lang. Die Beschleunigung in den ersten Schritten ist deutlich hörbar. Der folgende Einstich-Absprung-Komplex ist das zentrale Element des Stabhochsprungs. Während der letzten drei Schritte beschleunigt die Springerin ihr Stabende nach oben, verbunden mit Drehbe-wegungen der Hände, über den Kopf, bis der hintere Arm gestreckt ist; die Stabspitze "fällt" dabei in den Einstichkasten.

Stabspringen ist Kunstturnen und Akrobatik zugleich
Stabspringen ist Kunstturnen und Akrobatik zugleich

Bevor der Stab die rückwärtige Wand des Einstichkastens berührt, erfolgt der vorwärts-aufwärts gerichtete Absprung in Form einer schnellen Ganzkörper-streckung, wobei der Absprungpunkt genau unter der oberen Griffhand sein muss. Hier gibt es zwei verschiedene Techniken. Einerseits kann die Springerin "Vorspringen", das heisst sie führt den vollen Absprung ohne Kontakt zu haben mit der Rückwand des Kastens, oder sie springt, wie schon im gleichen Moment ab, in welchem der Stab die Rückwand des Kastens berührt.

Bevor sich der gebeugte Stab wieder streckt, muss der Körper in eine gestreckte Kopfunten-Position gebracht werden. Dieses Aufrollen wird durch ein möglichst kraftvolles und schnelles Schliessen des Arm-Rumpf-Winkels erzeugt, bei dem der Körper in eine I-Stellung kommt. Die Springerin hält sich am Stab mit ge-strecktem linken und angezogenem rechten Arm. Während der Stabstreckung bleibt der Körperschwerpunkt möglichst nahe an der Streckachse des Stabes, so dass die Athletin fast senkrecht in die Höhe katapultiert wird. Am Ende dieser Bewegung beginnt die Springerin mit dem Drehumstütz, d. h. sie dreht sich um ihre Körperlängsachse mit der Brust zur Latte, um diese sicher überqueren zu können und stösst sich vom Stab ab. Die Latte wird bei richtiger Vorbereitung fliegend im Bogen überquert, die Landung erfolgt bei einem gelungenen Sprung auf dem Rücken.

Kinegramm vom Stabhochsprung
Kinegramm vom Stabhochsprung

 

Nur sechs Sprünge bis zur Rekordhöhe

Bei 2.60 Meter Höhe war für die Silbermedaillengewinnerin Mia Zimmermann von der OB Basel Wettkampfende. Leonie Moll liess die Latte auf die Einstiegs-höhe von 2.80 Meter legen und machte sich zum ersten Sprung bereit. Das hätte eigentlich bereits die Goldmedaille bedeutet. Die nächsten Höhen von 3.00 und 3.10 Meter wurden ebenfalls im ersten Versuch gemeistert. Bei 3.20 Meter brauchte es zwei Versuche. 3.30 und 3.40 Meter wurden ebenfalls auf Anhieb übersprungen. Also insgesamt nur sechs Sprünge. Das war einsame Klasse. Die aufgelegte Höhe von 3.45 Meter war dann Endstation. Doch das wird nur eine Frage der Zeit sein.

Ein kraftvoller und schneller Anlauf ist Garant für grosse Höhen
Ein kraftvoller und schneller Anlauf ist Garant für grosse Höhen

 

Der Wechsel zum BTV Aarau ist eine logische Folge

Schon in den Siebzigerjahren haben zwei Topathleten vom TV Zurzach zum BTV Aarau gewechselt. Damals waren dies der Top-Hochspringer und Olympiateil-nehmer Walter Boller und der Hürdenläufer und Bobfahrer Ueli Bächli. Boller sprang damals 2.21 Meter und Ueli Bächli wurde Junioren-Schweizermeister über 2110 Meter Hürden! Der BTV bot ihnen seinerzeit ideale Trainingsbedingungen und hervorragende Trainer. Weil der langjährige LC-Trainer Martin Schütz im letzten Jahr wöchentlich nur noch für ein Stabhochsprungtraining zur Verfügung stellen konnte, war es denn naheliegend, dass Leonie Moll, Joel und Mike Erne heute dreimal pro Woche im BTV Aarau bei Kari Sager trainieren. Es ist heute die Regel, dass alle Spitzenathletinnen und -athleten gemeinsam in einem Trainings-zentrum mit exzellenter Infrastruktur sich auf die Wettkämpfe vorbereiten. Man darf gespannt sein, wie sich die heutige Bezirksschülerin und angehende Hoch-bauzeichnerin Leonie Moll in ihrer Leidenschaft, dem Stabhochspringen, weiter-entwickelt.